Clifford Wright
Eine Anwaltskanzlei hat vielerlei Mandanten: Grosse Unternehmen mit ihren vielfältigen Problemen, Bürger im Konflikt mit den Behörden, Verletzte, die Schadensersatz verlangen und Straftäter, die einen Pflichtverteidiger brauchen. Und dann gibt es da noch die Künstler!
CLIFFORD WRIGHT (1919-1999) wuchs an der amerikanischen Westküste in der Nähe von Seattle auf, wo er u.a. bei Walter Reese und Mark Toby studierte. Nachdem er drei Jahre für das Seattle Art Museum gearbeitet hatte, zog er 1946 nach New York. Im folgenden Jahr wurde ihm sein erster Stipendienaufenthalt von der Künstlersiedlung Yaddo in Saragota Springs im US-Bundesstaat New York gewährt. Hier lernte er die dänische Schriftstellerin Elsa Gress kennen. Nachdem er seinen Aufenthalt beendet hatte, wanderte er 1956 nach Dänemark aus und heiratete Elsa Gress. Sie errichteten gemeinsam die Künstlersiedlung „Decenter“ in Marienborg auf der Insel Møn, eine kulturelle Freistätte für Künstler aller Art und Nationalitäten. Die Siedlung erhielt ihren Namen als ironischen Seitenhieb auf die Vorliebe der Politiker für „Kulturzentren“.
Clifford Wright stellte in vielen Städten der Nordhalbkugel aus, u.a. in New York, Brüssel, Paris, Kopenhagen, Aalborg und Stockholm.
Viele Dichter, Maler, Schauspieler und Komponisten des „Decenters“ gehörten und gehören zu den Mandanten von Bang + Regnarsen. Es erscheint somit natürlich, dass wir beschlossen haben, die Geschichte der magischen Welt des „Decenters“ durch eine Reihe von Clifford Wrights Gemälden von den Wänden unserer Kanzlei erzählen zu lassen.
ANGELS MEETING 108 X 101
CHERUBS PLAYING 84 X 61
CREATURES 98 X 63
DEMONS IN FOG 95 X 66
ELSA AND CLIFFORD 96 X70
EYE -ANIMAL 66 X 90
FAMILY IDYLL 95 X 69
MYTHOS 79 X 119
STILL LIFE 80 X 60
THE BIRD OF PRAY AND THE SNAKE 88 X 128
THE EMPRESS 94 X 137
THE JUDGE 69 X 98
THE MOTHER 69 X 92
THE WORLDEGG 87 X 152
VALSING COUPLE 76 X 69
Vieldeutigkeit
Sowohl für Künstler wie auch für Rechtsanwälte gilt, dass sie zur Ausübung ihrer Profession über eine innere Unabhängigkeit verfügen müssen. Auch das Gespür für die Vieldeutigkeit haben sie gemein. Dies ist auch in Clifford Wrights Bildern zu erkennen: In dem Schauspiel ‚Citizen Tom Paine’ von Howard Fast erinnert uns Der Richter mit seinen milden Augen an das Jacobinische französische Gerichtswesen und die im Namen der Freiheit und der Vaterlandsliebe geführte Tyrannei. Der Raubvogel und die Schlange (nach einer alten mexikanischen Erzählung) zeigen, wie die Rollen vertauscht werden können, wenn das offenbar hilflose Opfer plötzlich seinen Feind durch einen tötenden Biss lähmt.
Anders überrascht uns Das Augentier, das in seiner Fremdartigkeit anfangs unheimlich und erschreckend wirkt, nach einem zweiten Anblick jedoch mit seinen törichten langen Ohren eher den Eindruck eines frommen und sanften Gemütes hinterlässt, und Die Mutter, die gleichzeitig sowohl entsetzt und schreckensstarr als auch furchterregend ist. (Zugegeben, dies ist nicht unbedingt ein Bild, das man normalerweise in einer Anwaltskanzlei findet; dennoch regt es an.) Die Familienidylle ist als solche nicht echt und wird im Bild durch eine sonderbare Gestalt bedroht. Und schließlich: die süßen Wasserbabies revoltieren, und die Amoretten haben schwarze Flügel. Das größte Bild, das in einem unserer Konferenzräume hängt, stellt den Schiffsbruch in Shakespeares "Der Sturm" dar. Dies ist ein Werk, welches sich insbesondere mit der Vieldeutigkeit beschäftigt: Welten aus Wörtern erbaut, in denen nichts so ist, wie es scheint...